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Kärntner Lyrikpreis

13. Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt: Siegerin wurde gekürt

Die freie Schriftstellerin Eva Possnig-Pawlik gewinnt den „13. Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt“. Der Preis des Landes geht an Cvetka Lipuš, der Preis der Landeshauptstadt an den Klagenfurter Kulturverein „Lendhauer“.

3. Dezember 2020

„Ja – man hofft natürlich auf den ersten Platz und hat dann eine Riesenfreude, wenn man mit den Gedichten tatsächlich gewinnt!“, erzählt die frisch gekürte Siegerin des „13. Kärntner Lyrikpreises der Stadtwerke Klagenfurt“, die Klagenfurter Psychologin und Erziehungswissenschaftlerin Mag. Eva Possnig-Pawlik. Die freie Schriftstellerin: „Als mich Jury-Mitglied Josef Winkler telefonisch von der Juryentscheidung verständigte, war ich total überwältigt und musste ich mich gleich hinsetzen. Es gibt doch so viele talentierte Autoren und lyrische Stimmen in Kärnten – und ich konnte mich durchsetzen!“ Possnig-Pawlik ist beim „Kärntner Lyrikpreis“ keine Unbekannte mehr – 2018 konnte sie den zweiten und 2019 den 4. Platz erringen. Die Klagenfurterin, die lyrische Prosa und Gedichte verfasst, ist Mitglied des Kärntner Schriftstellerverbandes, der Grazer Autorenversammlung und der IG Autoren/Autorinnen der IG Literatur Kärnten. Die Siegerin, die bereits auf mehrere Veröffentlichungen in Anthologien verweisen kann, gibt dieser Tage ihren ersten Roman heraus. Titel: „Die Weberin“. Die Klagenfurterin erhält 4.000 Euro, eine Urkunde und eine Siegestrophäe der HTL Ferlach. Die feierliche Preisüberreichung im ORF-Theater musste heuer coronabedingt leider abgesagt werden, ebenso eine Ersatzveranstaltung im Rathaus.

Der zweite Platz (1.500 Euro) geht an die Klagenfurter Schriftstellerin Katharina Ingrid Godler, MA. Die gebürtige Wienerin studierte Vergleichende Literaturwissenschaft an der Uni Wien. An der Akademie der Wissenschaften und an der Uni Klagenfurt forschte Godler über Ilse Aichinger, Thomas Bernhard, Karl Kraus und Robert Musil.

Die Dipl.-Lebens- und Erziehungsberaterin Barbara Engel aus Althofen kann sich über den 3. Platz und 800 Euro freuen. Sie arbeitete auch als Dolmetscherin, Sprachlehrerin und als freie Mitarbeiterin diverser Redaktionen.

Auf Platz vier – mit 500 Euro von der PosterService GmbH (PSG) gesponsert – „landete“ Siegfried P. Gelhausen aus Dellach im Drautal, der ebenfalls schon einmal beim „Kärntner Lyrikpreis“ punkten konnte.

Den Preis der Kraftwerkserrichtungs- und BetriebsGmbH KEG – 500 Euro – erhielt die Feldkirchnerin Manuela Molk.

Der „Sternenpreis“ des Planetariums (500 Euro) leuchtet heuer bei der Klagenfurterin Maga phil. Karin Prucha.

Die weiteren Plätze (Anerkennungspreise): Anna Draxl, Dennis Staats, Christine Tidl, Mag. Annelies Merkač-Hauser, Dominik Srienc und Michael Stöckl.

Die Jury vergab dann zwei weitere wichtige Auszeichnungen für „besondere Literatur-Aktivitäten“. So erhielt im Rahmen des „Kärntner Lyrikpreises“ die in Salzburg lebende slowenische Lyrikerin Cvetka Lipuš aus Eisenkappel den mit 3.000 Euro dotierten Preis des Landes Kärnten. Lipuš schreibt in slowenischer Sprache und hat bereits zahlreiche Gedichte veröffentlicht.

Den Preis der Landeshauptstadt Klagenfurt (1.500 Euro) kann heuer der Klagenfurter Verein „Lendhauer“ in Empfang nehmen. Dieser Verein belebt mit seinen Veranstaltungen die Kulturszene. MMag. Sandra Hölbling-Inzko vom Verein „Lendhauer“ zeigt sich erfreut: „Unser Verein steht seit 2008 für eine nachhaltige, kulturelle Stadtraumentwicklung. Fokusraum ist der Bereich des Klagenfurter Lendhafens. Ziel der realisierten Kunstprojekte ist es, einen Beitrag zu einem modernen und offenen Klagenfurt zu leisten. Zu den Projekten zählen Kunstfilmtage, künstlerische Installationen im öffentlichen Raum, das Bachmannpreis-Public-Viewing sowie Konzerte, Lesungen usw.“

„Mit dem Kärntner Lyrikpreis wollen wir gerade in Zeiten einer Pandemie, die Kulturveranstaltern besonders hart trifft, ein klares Zeichen für die Literatur setzen! Eine wahre Flut an Einsendungen beweist, dass uns das auch gelungen ist“, erklärt Stadtwerke-Vorstand Dipl.-Ing. Erwin Smole und fügt hinzu: „Wir geben deutschen und slowenischen Poeten die Gelegenheit, sich in lyrischer Form zu den verschiedensten Themen zu äußern. Jahr für Jahr. Und für uns stand sofort fest, dass wir auch in Zeiten von Corona diesen wichtigen Bewerb durchführen!“ STW-Vorstand Mag. Harald Tschurnig ergänzt: „Der Kärntner Lyrikpreis avancierte bereits zur zweitgrößten Literaturveranstaltung in unserem Bundesland. Wir freuen uns stets über die Werke der fantasievollen und feinsinnigen Zeilentänzer!“

Der Klagenfurter Schulreferent Stadtrat Mag. Franz Petritz unterstützt weiterhin das Thema „Jugend und Lyrik“. Wie schon im Vorjahr fördert er gemeinsam mit der Kulturabteilung des Landes und der Bildungsdirektion Poetry-Slam-Bewerbe an Kärntner Schulen. Die jungen Gewinner werden durch Poetry-Slam-Expertin Carmen Kassekert gekürt und erhalten eine entsprechende Auszeichnung. Der erste Platz geht heuer an Simon Mainhard (CHS Villach). Mit viel Kreativität machte er bei den Vorbewerben auf sich und das tagespolitische Geschehen aufmerksam. „Silber“ errang Tamina Haslauer (CHS Villach) – sie glänzte mit Ideenreichtum und außergewöhnlichem Engagement. Platz drei ist für Kevin Kreuzwirt (BORG Althofen) reserviert. Mit seiner (Bühnen)präsenz und seinem Charakter kann er den „öffentlichen Raum“ auf einzigartige Weise für sich einnehmen.

Dr. Günter Schmidauer, Vorsitzender der hochkarätig besetzten Jury, zu den Autorinnen und Autoren des „Kärntner Lyrikpreises“: „In uns allen lebt die Poesie als Ahnung einer Wirklichkeit, die viele nicht mehr deutlich sehen können. Manche rufen sich diese in ihr Bewusstsein zurück und schreiben Gedichte. Rund 250 Verfasser lyrischer Versuche senden uns jährlich ihre Werke. In den letzten 13 Jahren kamen so etwas mehr als 10.000 Gedichte zusammen – die Lyrik lebt! Weil sie aus einem Bedürfnis der Menschen ihre eigene Identität zu finden und sie zu hinterfragen, dem Bedürfnis ihren ureigensten Stellenwert in der Gesellschaft zu finden, entstanden ist. Wir werden weitermachen, und danken allen Unterstützern, die uns diese Arbeit ermöglichen, denn wir profitieren alle davon.“

Jurymitglied und Schriftsteller Josef Winkler: „Lyrik zu schreiben, ist etwas ganz Besonderes! Ich habe zwar den Büchner-Preis erhalten, würde mich aber nicht getrauen, Gedichte zu schreiben. Gerade in letzter Zeit habe ich viel über Lyrik nachgedacht, etwa über Werke von Rainer Maria Rilke oder Mörike. Schon mit 18 Jahren habe ich in der Buchhandlung Heyn Ausgaben von Paul Celan gelesen. Ich habe deshalb großen Respekt vor allen, die Lyrik schreiben. Der Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke war heuer wichtig, weil viele Poeten keine Lesungen und deshalb keine Einnahmen haben. Das ist ja sowieso verrückt…“

„Dichtkunst als Seismograph“

„Der Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt, der heuer bereits zum 13. Mal verliehen wurde, ist ein Aushängeschild der Literaturstadt Klagenfurt. Leider musste die traditionelle Preisverleihung dieses Jahr aufgrund der Corona-Krise abgesagt werden“, erklärt dazu die Klagenfurter Kulturreferentin Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz. Die Bürgermeisterin: „Ich möchte mich bei den rund 200 Dichterinnen und Dichtern für ihre Teilnahme bedanken und gratuliere den Gewinnern und Gewinnerinnen. Ich bin optimistisch, dass der Lyrikpreis 2021 wieder in seiner gewohnten Weise stattfinden wird und wir den siegreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine würdige Bühne im ORF-Theater bieten können!“

„Der Kunst kommen seit jeher große – und in Krisenzeiten umso größere – Bedeutung und Aufgabe zu“, meint Kärntens Kulturreferent Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser. Der Landeshauptmann: „Die Dichtkunst hat sich in diesem Zusammenhang als besonders fein tarierter Seismograph erwiesen, in der Lage, oberflächlich kaum merkbare Erschütterungen des Gefühls, der Gedanken, der Seele, und zwar der eigenen wie der gesamtgesellschaftlichen, wahrzunehmen und dabei auch dorthin zu schauen, wo es unbequem ist oder wehtut. Aber auch dorthin, wo Veränderung möglich ist. In diesem Sinne ist das Engagement, das mit dem Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt aufgebracht wird, nicht hoch genug einzuschätzen, und ich danke allen Beteiligten, der Organisation, der Jury, aber vor allem den zahlreichen Autorinnen und Autoren, die mir ihren lyrischen Einsendungen vor allem eins beweisen: dass ihnen das Dasein nicht gleichgültig ist, dass sie anteilnehmen an den Entwicklungen, die uns alle betreffen. Herzliche Gratulation den Siegern!“

Insgesamt wurden auch heuer Preisgelder in der Höhe von 12.500 Euro vergeben. Um weiterhin genügend Farbe in den Bewerb der Silben und Verse bringen zu können, dient seit dem Vorjahr ein auffälliges Werk des slowenischen Dichters und Malers Gustav Januš als „Markenzeichen“ dieses ungewöhnlichen Kultur-Events.

„Lyrikpreis-Erfinder“ und STW-Unternehmenssprecher Dr. Harald Raffer: „Mit diesem leuchtenden Stern am österreichischen Literaturhimmel wollen wir bewusst auch die slowenische Sprache fördern. Die Veranstaltung gilt im Land eines Nobelpreisträgers Peter Handke längst als leise Schwester des Bachmannbewerbes. Auch heuer war die Qualität der Arbeiten beeindruckend hoch.“

Die Jury, die die Werke wie immer anonym bewertet: Vorsitzender Dr. Günter Schmidauer, Schriftsteller Dr. h. c. Josef Winkler, Mag. Katharina Herzmansky, Ilse Gerhardt, DDr. Richard Götz und Dr. Harald Raffer.

Auszug aus dem Werk der Siegering Eva Possnig-Pawlik:
Einen Baldachin weben in der Nacht

Arachne macht sich auf,
wieder auf, die dünnen Beine behaart,
von Stein zu Stein,
und folgt dem Bachlauf im schäumenden Gurgeln,
Silberglitzern,
über Moose und Gräser zur roten Erde am Hang.

Das Wasser schießt der Drau entgegen,
die unten liegt, gestaut zu einem See.
Im kühlen Schauer kämpft sie sich furchtlos über Kiesel,
zur Helle hin. Und Wärme.

Einen Baldachin weben in der Nacht
Wie einen Schleider aus Seide zwischen Halmen des Wiesensalbeis,
bis du wiederkommst!

Im Morgenlicht ertönt das Schäckern der Elster.
Die Flügel gespreizt, schwarz-weiß,
erhebt sich der Vogel von der rostigen Brücke
und segelt mit zitterndem Schnabel über den Fluss,
zur Kuppe hinauf.
Pfeilschnell schießt er ins Erdreich, das fiebernde…

Am Abend wird durch die Gräser der Wind gefahren sein
wie ein grobgezinkter Kamm
und über die Äcker Staub getragen haben.