Kampagne "Steig ein, WIR fahren!"

 WKÖ-Fachverband Schienenbahnen:
"Öffis" als Erfinder der Elektromobilität - Klimaziele sind ohne einen starken ÖPNV nicht erreichbar

Ohne einen starken, öffentlichen Personennahverkehr in Österreichs Städten ist keine zielführende Umweltpolitik möglich: Im Verkehr liegt das mit Abstand größte Potenzial, die Klima- und Energieziele zu erreichen. Während in anderen Bereichen die CO2-Emissionen reduziert wurden, steigerten sich diese im Verkehr in den letzten 15 Jahren um rund acht Prozent. Dies liegt vor allem am Individualverkehr. Die österreichischen Verkehrsbetriebe setzen dabei schon seit über 200 Jahren auf den "Trend" E-Mobilität.

Der Individualverkehr ist ineffizienter und umweltschädlicher als der öffentliche Verkehr: Wollen 1.000 Personen 100 Kilometer zurücklegen, bräuchte es 862 Autos. Denn durchschnittlich ist jedes Auto mit 1,16 Personen besetzt. Dieser Wert hat sich in den letzten Jahren noch verschlechtert: 1990 waren es noch 1,4 Menschen pro Auto – eine Verringerung des Besetzungsgrades um 21 Prozent.

Diese 862 Diesel-Pkws brauchen für 100 Kilometer

  • 64 MWh Energie

  • und verursachen 16,6t CO2-Emissionen.

Im Vergleich dazu braucht es nur 20 Busse,

  • 7 MWh Energie und

  • 1,8t CO2-Emissionen,

um dieselbe Strecke und Menschenmenge zu befördern.

Sogar E-Autos schneiden dabei schlechter ab (25 MWh Energie, 3,8t CO2-Emissionen)
als Diesel-Busse.

"Die Mehrheit aller Autos in Österreich werden mit Diesel betrieben, nur 1,4 Prozent aller neuzugelassenen Pkw fahren mit Strom. Auch wenn das E-Auto im Moment vielfach als der Retter unseres Klimas dargestellt wird -  insgesamt macht es bis dato gerade mal ein Prozent der gesamten E-Mobilität in Österreich aus. Die Klimaziele von Paris sind ohne einen starken öffentlichen Personenverkehr schlichtweg nicht erreichbar", bekräftigt der Obmann des Fachverbandes Schienenbahnen in Wirtschaftskammer Österreich, Dr. Thomas Scheiber.


ÖPNV ist E-Mobilitäts-Vorreiter

"Seit 1897 setzen die österreichischen Verkehrsbetriebe auf E-Mobilität – und wir weiten unsere elektrisch betriebenen Liniennetze stetig weiter aus. Dieses fast 530 Kilometer lange elektrifizierte Netz wird österreichweit in Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz, Salzburg und Wien von insgesamt fünf U-Bahn-Linien, 44 Straßenbahn-Linien und 21 E-Bus-Linien befahren, Tendenz steigend", ergänzt der stellvertretende Obmann und Geschäftsführer der Wiener Linien, DI Günter Steinbauer.

Für den öffentlichen Personenverkehr auf der Schiene läuft es gut: Österreich legt mit 2.250 km pro Person jährlich nicht nur mehr Bahnkilometer als jede andere EU-Nation zurück, sondern befördert stündlich auch ganz Linz durch Österreichs Städte – pro Stunde sind durchschnittlich rund 200.000 Menschen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

"Zudem hat sich von 2005 bis 2015 die Anzahl der Fahrgäste im öffentlichen Personennahverkehr in Österreichs Städten um rund ein Viertel auf 1,27 Milliarden gesteigert", so Steinbauer.


Premiere: Österreichische Verkehrsbetriebe lancieren gemeinsame Kampagne

Noch mehr auf die Vorzüge der öffentlichen Verkehrsmittel in den Städten gegenüber dem Individualverkehr hinweisen - Umweltfreundlichkeit, Pünktlichkeit, Effizienz, Entspannung und Sicherheit – das soll die erste, gemeinsame Kampagne der Verkehrsbetriebe in Graz, Innsbruck, Linz, Salzburg, Klagenfurt und Wien.

"Mit der Kampagne "Steig ein, WIR fahren!" greifen wir manche Vorurteile gegenüber den Öffis mit einem Augenzwinkern auf und hinterfragen gleichzeitig die vermeintlichen Vorteile der E-Autos. Wir wollen nicht belehren, aber durchaus aufmerksam machen und unsere Fahrgäste in ihrer Entscheidung bestärken", erklärt Obmann Scheiber.


Öffentlicher Verkehr als wichtigstes Zukunftsthema in den Städten

Der öffentliche Verkehr ist nicht nur wesentlicher Bestandteil bei der Erreichung der Klimaziele, sondern auch die einzige Lösung, den erhöhten Mobilitätsbedarf in Städten abzudecken. Denn: 2050 werden rund eine Million Menschen mehr in Österreichs Ballungszentren leben. Damit dies bewerkstelligt werden kann, benötigt der ÖPNV stetige Investitionen, eine gesicherte Finanzierung des Ausbaus im stadtregionalen Raum, die Förderung von emissionsfreien Antrieben von öffentlichen Verkehrsmitteln und eine Verkehrsstrategie mit der Priorisierung des ÖPNV für die nächsten Jahrzehnte. "In den kommenden Monaten stehen zentrale politische Weichenstellungen für den österreichischen Schienenverkehr an: den Regional- und Fernverkehr, jede einzelne Straßenbahn und U-Bahn in unseren Städten sowie den Güterverkehr auf der Schiene. Die Stärkung des öffentlichen Verkehrs und damit eine nachhaltige Verkehrswende erfordern vorausschauende Entscheidungen und entschlossenes Handeln. Umso mehr begrüßen wir das klare Bekenntnis der verantwortlichen Politik zum öffentlichen Verkehr im neuen Regierungsprogramm", so Scheiber abschließend.

 

Über den Fachverband der Schienenbahnen:

Der Fachverband Schienenbahnen in der WKÖ ist die österreichweite Interessensvertretung für alle Eisenbahnen und städtischen Nahverkehrsunternehmen. Er umfasst 105 Mitglieder und vertritt sie auf nationaler & EU-Ebene. Neben der Öffentlichkeitsarbeit sowie Initiierung und Begutachtung von Gesetzen, ist der Fachverband ein bewährter Sozialpartner und verhandelt branchenweit die Kollektivverträge im Eisenbahnbereich.