„Ich spüre die Lust am Formulieren“
Verleihung des 19. Kärntner Lyrikpreises der Stadtwerke Klagenfurt: Slowenische Poetin Vera Wutti-Incko erhielt 5000 Euro Sieges-Prämie. Die Gewinner lasen aus ihren Werken, insgesamt wurden Preise im Wert von über 15.00 Euro vergeben. Diözesanbischof Dr. Josef Marketz gratulierte zu diesem „Sprachen-Wettbewerb“.
„Beim Schreiben spüre ich sofort eine gewisse Leichtigkeit in mir und die Lust am Formulieren“, gestand Donnerstag abends die Ferlacherin Mag. Dr. Vera Wutti-Incko, als sie voller Freude im Klagenfurter Stadthaus den 19. Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt entgegennahm. STW-Vorstand Dipl.-Ing. Erwin Smole überreichte der stolzen slowenischen Lyrikerin einen 5000-Euro-Scheck, eine von der HTL Ferlach angefertigte „goldene Feder“ und eine Urkunde. Die pensionierte AHS-Lehrerin erinnerte sich vor zahlreichen Festgästen an ihre Kindheit, als ihre Mutter ihr noch spannende Geschichten vorlas und man sich dabei keinesfalls stören ließ. Wutti-Incko kündigte mit einem strahlenden Lächeln ihren ersten zweisprachigen Lyrikband an und erntete heftigen Applaus.
Mit dem dritten Platz (800 Euro) wurde der in Wien lebende Lebens- und Sozialberater Valentin Veratschnig geehrt, der zweite Platz (1500 Euro) ging an die Landesjuristin Mag. Dr. Anna Wöllik. Die Beamtin bezeichnete sich als „heimlich Schreibende“, die in erster Linie für sich Bemerkenswertes notierte, wie in einem Tagebuch. Nach ihrem Gedichte-Vortrag dürfte die Heimlichkeit vorbei sein.
Diözesanbischof Dr. Josef Marketz gratulierte den Veranstaltern zu diesem zweisprachigen Literaturwettbewerb und bezeichnete das Nebeneinander der beiden Volksgruppen erneut als „typisch kärntnerisch“. Marketz, seit über sechs Jahren Bischof, gestand den interessierten Zuhörern, dass er in seiner Kindheit ein leidenschaftlicher Karl-May-Fan war und nur den letzten Teil der Winnetou-Trilogie nicht fertiglesen konnte, weil er den Tod des Apachen-Häuptlings einfach nicht akzeptieren wollte. Sehr wohl hätte er, so der Bischof, in seiner Jugendzeit einige Gedichte verfasst. Der Klagenfurter Kulturreferent Stadtrat Mag. Franz Petritz zeigte sich über die einzigartige Entwicklung des bereits zweitgrößten Literaturwettbewerbes in Kärnten ebenfalls erfreut und bezeichnete den Lyrikpreis als wichtigen Meilenstein im österreichischen Kulturgeschehen.
Juryvorsitzender und PEN-Club-Vorstandsmitglied Dr. Günter Schmidauer kritisierte in seiner Rede die „KI-Gläubigkeit“ der Menschen und warnte davor, die unsichtbaren Gefahren dieser hochmodernen Technik zu unterschätzen. Jurymitglied Mag. Katharina Herzmansky führte den anwesenden Gästen vor Augen, aus welchen Blickwinkeln man Literatur betrachten kann und welche Punkte eine Jury möglicherweise bewerten muss.
Den Preis des PEN-Club Austria (500 Euro) überreichte PEN-Club-Vorstand Schmidauer an den pensionierten Steindorfer Psychologen Helmut Lirzer, der sich selbst als „eifrigen Schubladenproduzenten lyrischer Eingebungen“ beschrieben hat. Nach einer öffentlichen „Kostprobe“ seines Schaffens hat das „Schubladen-Leben“ dieser Verse ein Ende.
Der Preis der Kraftwerkserrichtungs- und Betriebsgesellschaft (KEG, 500 Euro) ging an die in Wien lebende gebürtige Klagenfurterin Verena Schumanski.
Den Preis der PosterServiceGmbH (PSG, 500 Euro) erhielt die Logotherapeutin Brigitta Huemer aus den Händen von PSG-Managerin Margarete Stingl.
Der Preis des Slowenischen Kulturverbandes und des Zentralverbandes slowenischer Organisationen im Gesamtwert von 1000 Euro konnte Mag. Spela Hrastnik aus Klagenfurt abholen. Die junge Musikerin befasst sich mit allen Facetten des Menschseins. Florian Wieser, Vorsitzender des Zentralverbandes Slowenischer Organisationen, und Mag. Julija Schellander-Obid vom Slowenischen Kulturverband übergaben der slowenischen Poetin den Preis.
Fünf Klagenfurter Dichter wurden mit Ehrenurkunden und Buchhandel-Gutscheinen bedacht: Klaus Oberrauner, Anna Kohlweis, Univ. Prof. Anne Sophie Meincke, Dagmar Cechak und Michael Kuscher.
STW-Vorstand Dipl. Ing. Smole: „Mein Dank gilt nicht nur den ausgezeichneten Poeten, sondern allen Autorinnen und Autoren, die durch ihre Teilnahme einen Wettbewerb der Zeilen und Verse erst ermöglichen“. Moderator und Lyrikpreis-Erfinder Dr. Harald Raffer: „Heuer beteiligten sich über 120 deutsche und slowenische Wortakrobaten. Es gab aber auch schon 250 Einreichungen, darunter Bewerbungen von gebürtigen Kärntnern aus den USA oder Australien“.
Im Rahmen des „Preisregens“ gab es noch zwei weitere Auszeichnungen, die die Jury für ein Lebenswerk oder besondere Verdienste im Bereich Literatur vergibt: Mag. Simone Schönett, die 2014 den Kärntner Lyrikpreis gewonnen hat, erhielt den Preis der Landeskulturabteilung der Landesregierung in der Höhe von 3000 Euro. Die in Wernberg lebende Schriftstellerin kann auf zahlreiche Werke und etliche weitere Ehrungen verweisen. Laut Moderator Harald Raffer beherrscht Schönett „das Ballett der Wörter“.
Den heuer verdoppelten Preis der Kulturabteilung der Landeshauptstadt konnte die Villacher Schriftstellerin Sieglind Demus für ihr Lebenswerk entgegennehmen. Sie verfasste etliche Bücher.
Die unabhängige Jury, die die Arbeiten anonym bewertete: Günter Schmidauer (Vorsitz), Josef Winkler, Ilse Gerhardt, Katharina Herzmansky, Cvetka Lipus und Harald Raffer (ohne Stimmrecht), der auch durch den Abend der Preisverleihung am 5. November führte.
Für eine stimmungsvolle musikalische Umrahmung sorgte das ATE-Trio mit Aleksander Ipavec aus Triest, Tamaz Nedoh aus Lokev (Slowenien) und Emil Kristof aus Klagenfurt. Unter den Gästen sah man u. a. Bischof Dr. Josef Marketz, Dompfarrer Dr. Peter Allmaier, Vizebürgermeister Ronald Rabitsch, Stadtrat Mag. Franz Petritz, Anwalt Dr. Farhard Paya, ORF-Kurator Michael Götzhaber, Volksgruppen-Vertreter Dr. Marjan Sturm, die Gemeinderäte Mag. Manfred Jantscher und Mag. Martin Lemmerhofer. Und alle freuen sich auf ein Jubiläum, auf das nächste Jahr – den 20. Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt.












